Wie sich Windkraftanlagen auf Haus- und Grundstückspreise auswirken, lässt sich bislang nicht abschließend beurteilen. Die Datenlage ist begrenzt, viele Studien kommen zu unterschiedlichen Ergebnissen – auch, weil regionale Gegebenheiten, Grundstückslagen und individuelle Wahrnehmungen eine große Rolle spielen.
Projektentwickler und Vertreter der Branche betonen häufig, es gebe keinen systematischen oder messbaren Einfluss auf Immobilienpreise. Doch diese Einschätzung wird durch einzelne empirische Untersuchungen zumindest in Teilen relativiert. So kommt eine Analyse des RWI (Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung) zu dem Ergebnis, dass der durchschnittliche Verkaufspreis eines Einfamilienhauses im Umkreis von einem Kilometer um eine neu errichtete Windkraftanlage um rund 7 % sinken kann. In besonders ländlichen Regionen oder bei älteren Objekten kann der Rückgang laut Studie sogar deutlich höher ausfallen – in Einzelfällen bis über 20 %. Mit zunehmender Entfernung – ab etwa 8 bis 9 Kilometern – verliert dieser Effekt weitgehend an Bedeutung.
Als Gründe nennen die Forschenden vor allem die Veränderung des Wohnumfelds: eingeschränkte Sichtachsen, ungewohnte Geräusche oder der ständige Bewegungsreiz der Rotoren können das subjektive Empfinden von Lebensqualität beeinflussen. Dabei spielen nicht nur messbare Faktoren eine Rolle, sondern auch emotionale Bindung, Alltagsästhetik und das gewachsene Gefühl von „Zuhause“.
Ruhr Economic Papers:➜ Local Cost for Global Benefit: The Case of Wind Turbines
Auch internationale Studien deuten auf vergleichbare Zusammenhänge hin. Eine Untersuchung der University of California, Berkeley (Guo/Auffhammer) kam in den USA zu dem Ergebnis, dass sichtbare Windräder in direkter Nachbarschaft zu Preisabschlägen von bis zu 8 % führen können. Im Gesamtdurchschnitt – bezogen auf einen 10-Kilometer-Radius – lag der Effekt bei etwa 1 %. Auch hier zeigt sich: Der Einfluss ist mit zunehmender Entfernung geringer – und er verliert im Laufe der Zeit an Relevanz (Quelle).
So bleibt festzuhalten: Konkrete Belege für einen flächendeckenden Wertverlust durch Windkraftanlagen gibt es nicht – aber die Hinweise mehren sich, dass die Nähe zu solchen Anlagen in bestimmten Fällen negative Auswirkungen auf den wahrgenommenen Wohnwert haben kann.
Gerade in ländlichen Regionen wie dem Haistergau, wo viele Menschen gezielt die offene Landschaft, die Ruhe und die Weite suchen, drängt sich eine einfache, aber ehrliche Frage auf: Wenn man die Wahl hätte zwischen einem Haus mit unverbautem Blick ins Grüne – oder einem mit direktem Blick auf mehrere Windräder – wofür würde man sich entscheiden? Wer diese Frage ehrlich für sich beantwortet, versteht, warum viele Anwohner die Entwicklung kritisch sehen.
Auffällig ist dabei, dass viele der Stimmen, die einen Einfluss auf den Immobilienwert rundweg abstreiten, selbst nicht in betroffenen Gebieten leben – häufig in urbanen Räumen – und selten vor der konkreten Entscheidung stehen, ein Eigenheim im ländlichen Raum zu erwerben. Dass ausgerechnet jene Menschen, die sich bewusst für das Leben auf dem Land entschieden haben, mit den Auswirkungen solcher Großprojekte konfrontiert werden, ohne dass ihre Perspektiven in Planungsprozesse ernsthaft einfließen, sorgt zunehmend für Unmut – und für das Gefühl, übergangen zu werden.
Am Ende geht es nicht um reine Zahlen, sondern um Vertrauen: Wer auf dem Land lebt, verdient es, dass sein Lebensumfeld mit Sorgfalt, Respekt – und einem offenen Blick für mögliche Folgen – behandelt wird.
Copyright © 2025 Bürgerrunde Haistergau – Alle Rechte vorbehalten.